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Boreout
Personalführung  |  6 Min.

Boreout Syndrom: Definition, Symptome und Vermeidung

Marleen Rosenthal

Boreout Junger Mann sitzt gelangweilt an seinem Arbeitsplatz

Stress gehört in vielen Büros zum Alltag. Doch es gibt auch das Gegenteil: Manche Arbeitnehmer ödet ihr Job derart an, dass sie davon krank werden. Dann droht der Boreout: Stress durch Langeweile. Was HR und Mitarbeiter dann tun können.

 

Boreout: Was ist das?

Der Blick haftet angestrengt auf dem Bildschirm, während die Finger  über die Tastatur fliegen. Jeder im Büro weiß: Die Kollegin jetzt bloß nicht ansprechen. Stress!

Doch nicht jeder Kollege, der  so ausgelastet scheint, ist es auch. Man sollte es eigentlich nicht glauben: Aber viele Angestellte werden auch aktuell noch im Job von quälender Langeweile und Unterforderung geplagt.

 

Boreout: Die Symptome

Was sich zunächst nach einem entspannten Leben anhört, ist für Betroffene das genaue Gegenteil: Diagnose Boreout – Stress durch Langeweile. Richtig gelesen! Auf lange Sicht kann Unterforderung ähnliche Symptome  hervorrufen wie Überforderung:

  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • depressiven Verstimmungen
  • Schlafstörungen

Die Autoren Phillipe Rothlin und Peter Werder haben dieses Phänomen bereits vor Jahren unter die Lupe genommen und in einem Fachbuch erörtert, was passiert, wenn Müßiggang zum Horror wird.

Phillipe Rothlin

Anfangs mag es ja noch recht lustig sein, beispielsweise täglich mehrere Stunden im Internet zu shoppen, aber irgendwann wird auch der schönste Müßiggang langweilig. Der Betroffene fühlt sich unzufrieden, weil er seine Kenntnisse nicht anwenden kann

 

Boreout: Zur Untätigkeit verdammt

Psychologen geben Rothlin absolut Recht. Zum Untätigsein verdammt zu sein, ist eine enorme Belastung, weil dann in aller Regel auch die Wertschätzung ausbleibt, heißt es. Das bekommt keinem, der auf Erfolgserlebnisse im Beruf gepolt ist. Wer sich diese dagegen aus anderen Bereichen holt – Hobby oder Familie etwa – wird diese Stresssymptome nicht entwickeln.

Im Klartext heißt das: Boreout-Patienten sind keineswegs faul. “Im Gegenteil. Sie leiden unter ihrer Situation”, betonte Buchautor Rothlin. Doch weil Langeweile im Job sozial nicht anerkannt ist, entwickeln Betroffene die verschiedensten Strategien, um ihr Nichtstun zu verschleiern: “Wer erzählen kann, dass er gestresst ist, wirkt in unserer Welt wichtiger, geschätzter, anerkannter.”

 

Boreout Test:

  • Fühlen Sie sich unterfordert oder gelangweilt?
  • Täuschen sie ab und zu vor, zu arbeiten?
  • Sind sie am Abend müde und erschöpft und wissen nicht warum
  • Sind sie mit ihrer Arbeit unglücklich?
  • Vermissen Sie einen tieferen Sinn in Ihrer Arbeit?
  • Könnten Sie Ihre Arbeit eigentlich schneller erledigen, als Sie es tun?
  • Würden Sie gerne etwas anderes arbeiten?
  • Haben Sie das Interesse an Ihrer Arbeit verloren?
  • Können Sie sich nur schwer vorstellen, wie Sie Ihre Situation verändern können?
  • Sank Ihr Selbstwertgefühl in den letzten Monaten rapide?
  • Sind Sie häufiger krank als früher?

Wer mehr als fünf Fragen mit “Ja” beantworten kann, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit von Boreout betroffen.

Wen kann der Boreout ereilen?

Ein Boreout kann die Folge sein, wenn vorhandene Qualifikationen und die aktuelle Tätigkeit nicht zusammenpassen. Oder wenn die Erwartungen des Mitarbeiters an seinen Arbeitsplatz und den Arbeitgeber nicht mit der tatsächlichen Situation korrespondieren.

Beides kann seitens HR bereits im Recruiting Prozess vermieden werden, indem bereits hier genau abgeglichen wird, wie groß die Passung zwischen Mitarbeiter und Unternehmen ist. Dabei stehen HR Verantwortlichen inzwischen diverse Hilfsmittel wie CV-Parser, Sourcing-Tools oder Matching-Algorithmen zur Verfügung.

Wird dieser wichtige Faktor der kulturellen Passung vernachlässigt und können Mitarbeiter nicht das nutzen und zeigen, was in ihnen steckt, verlieren sie mit der Zeit das Interesse an der Arbeit. Ursprünglich einmal vorhandene Motivation kann so schleichend zu einer wachsenden Demotivation werden.

 

Boreout Frau spielt gelangweilt am Arbeitsplatz mit Posttips

 

Wie häufig kommt Boreout vor?

Ein Phänomen, das keinesfalls selten ist. Eine amerikanische Studie von America Online und Salary.com unter 10.000 amerikanischen Angestellten belegte vor ein paar Jahren, dass mehr als 33 Prozent der Befragten nicht genug zu tun haben, um ihren Arbeitstag zu füllen. Stattdessen werden täglich bis zu zwei Stunden einfach nur “abgehangen”.

Zahlen, die mit Sicherheit nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar sind. Aber auch hierzulande ist Boreout für den ein oder anderen ein Thema. So beklagten bereits im Jahr 2009 in einer Studie 40 Prozent von insgesamt 5.000 befragten Fach- und Führungskräften, dass sie sich unterfordert fühlten.

Tendenz scheinbar steigend: Im Stressreport 2012 gaben 50 Prozent der befragten an, dass sie sich bei ihrer Arbeit mit ständig wiederholenden Aufgaben beschäftigen müssen. Speziell junge Berufstätige gaben an, mengenmäßig und fachlich unterfordert und wegen zuviel Monotonie bei ihrer Arbeit unzufrieden zu sein.

 

Auch High Potentials können betroffen sein

Somit schützt also auch die beste Qualifikation vor Boreout nicht. Das passiert zum Beispiel dann, wenn gut ausgebildete Mitarbeiter zu lange auf der gleichen Stelle verharren. Jahrelang dieselben Aufgaben zu bearbeiten, führt für High Potentials zu Langeweile und Desinteresse.

Der Grund: Auch wenn sie anfangs spannend und abwechslungsreich war – eine Tätigkeit immer wieder zu wiederholen, wenn man sie einmal erlernt hat, führt zu Routine. Wird diese zu groß, verkehrt sich der Effekt ins Gegenteil. Mitunter mit fatalen Folgen.

Nicht selten führt Langeweile zu Unachtsamkeit, was Probleme bei der Arbeit, Fehler und Unfälle nach sich ziehen kann. Und das kann selbst in unserer heute so schnelllebigen Zeit passieren, die sich durch eine hohe Veränderungsgeschwindigkeit auszeichnet. Für manch einen ist diese offenbar nicht hoch genug.

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Welche Handlungsoptionen bestehen dann für HR und Mitarbeiter? Experten raten betroffenen Arbeitnehmern davon ab, den aus einem Boreout resultierenden Frust einfach hinzunehmen. In der Regel gibt es genug Arbeit in einem Büro. Nur, dass die Aufgaben häufig ungleich verteilt sind.

Was zum Beispiel hilft, ist das Gespräch mit dem Vorgesetzten und HR zu suchen und zu klären:

  • Welche Möglichkeiten gibt es, das bisherige Aufgabenspektrum zu erweitern?
  • Gibt es beispielsweise Projekte, bei man die Kollegen oder den Chef unterstützen kann?
  • Gibt es Entwicklungsmöglichkeiten auf eine andere Position?
  • Welche Maßnahmen müssen dafür getroffen werden?

Die Aufgabe von HR und Management ist, gemeinsam mit dem Mitarbeiter neue Verantwortungsbereiche zu erschließen und ihm Möglichkeiten aufzuzeigen. Voraussetzung dafür ist, dass der Betroffene ernst genommen und ihm das nötige Gehör geschenkt wird. Auch sollte durch eine dezidierte Laufbahnplanung dafür gesorgt werden, dass es nicht erneut zu Unterforderung im Job kommt.

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