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Candidate-Experience
Employer Branding  |  8 Min.

Candidate Experience: Definition, Tipps zur Verbesserung, Fallstricke

Sonja Dietz

junge frau die laptop verwendet und lacht

„Ist das klasse hier…!“ Kommt ein Bewerber zu einem solchen Resümee, nachdem er den Bewerbungsprozess bei einem Unternehmen abgeschlossen hat, steht es um die Candidate Experience bestens. Wir sagen Ihnen, wie auch Sie zu so einem Top-Ergebnis kommen.

 

Was versteht man unter der Candidate Experience?

Grob gesprochen lassen sich unter dem Begriff Candidate Experience alle Eindrücke zusammenfassen, die ein Kandidat während der Bewerbung von einem Arbeitgeber gesammelt hat. Das betrifft die komplette Candidate Journey: Angefangen mit dem Erstkontakt mit dem Unternehmen über eine Stellenanzeige, die Karrierehomepage oder Social Media Kampagnen, bis hin zur Bewerbung, das Auswahlverfahren und die Ergebniskommunikation. An all diesen Punkten bilden sich Bewerber eine Meinung über einem Arbeitgeber. Umso wichtiger ist es, dass der komplette Recruitingprozess gut aufeinander abgestimmt ist und alle Maßnahmen aus einem Guss sind.

 

Wie sieht die optimale Candidate Experience aus?

Eigentlich stellen sich Kandidaten den optimalen Bewerbungsprozess und damit die optimale Candidate Experience in etwa so vor: Das Talent entdeckt unterwegs auf einem gut aufgeräumten Social-Media-Auftritt eines Arbeitgebers, auf dessen Karriereseite oder in einer Jobbörse eine Stellenanzeige. Sie ist in responsivem Design veröffentlicht und somit perfekt auf seinem Smartphone darstellbar.

Von den in die Stellenanzeige integrierten Bildern strahlen ihn gut gelaunte Mitarbeiter an und über das eingebettete Recruitingvideo lernt das Talent das Büro des Arbeitgebers kennen und sieht, wie die Belegschaft „tickt“. Die gut strukturierten Beschreibungen in der Stellenanzeige überzeugen und machen ihm den Klick auf den Bewerben-Button leicht. Dieser eine Fingertipp reicht und das Talent importiert die Inhalte aus seinem LinkedIn- oder Xing-Profil in die Bewerberdatenbank des Arbeitgebers. Fertig ist die One-Click-Bewerbung.

In diesem Idealszenario muss der Bewerber auch nicht lange warten und erhält eine gut gelaunte Rückmeldung binnen kürzester Zeit: Die Einladung zum Jobinterview. Und dieser Manier geht es weiter: Das Jobinterview erfolgt wertschätzend und auf Augenhöhe und kaum ein paar Tage später kennt das der Bewerber die finale Entscheidung des Arbeitgebers: Er hat die Stelle! Exakt das verstehen Bewerber und Talente unter einer perfekten Candidate Experience.

 

5 Fehler, die die Candidate Experience beeinträchtigen

Die Realität sieht allerdings meist anders aus: Leider gefriert vielen Kandidaten bereits an einem frühen Zeitpunkt im Bewerbungsprozess das Lächeln im Gesicht. Denn Arbeitgebern unterlaufen im Recruiting immer wieder die folgen 5 Fehler.

 

#1 Stellenanzeigen sind nicht im responsiven Design

Zum Beispiel sind Stellenanzeigen häufig nicht im responsiven Design gestaltet. Das macht insbesondere mobilen Bewerbern das Leben schwer: Sie müssen auf den Mini-Displays ihrer Smartphones mühsam hin- und herwischen, um die enthaltenen Texte lesen zu können. Vielen ist das aber zu mühsam. Chance vertan!

 

#2 Mangelnde Authentizität

Statt authentischer Einblicke ins Unternehmen über Bilder und Videos stößt der Bewerber häufig auf reinste Bleiwüsten, die kaum strukturiert und nur schwer lesbar sind. Auch das macht keine Freude.

 

#3 Karriereseite – unaufgeräumt, nicht responsiv

Ein ähnliches Trauerspiel zeichnet sich auch auf den Karriereseiten vieler Unternehmen ab. Laut der Studie Recruiting Trends 2020 der Universität Bamberg stößt immer noch rund jeer vierte Bewerber auf eine Karrierewebseite, die nicht optimal auf dem Smartphone dargestellt werden kann.

Oft sind die Karrierehomepages nicht einmal im Corporate Design gestaltet. Der Effekt: Die Karriereseite wirkt wie ein liebloses Anhängsel der Homepage und beinhaltet statt der von Talenten erwarteten Informationen zur Unternehmenskultur, zu Work Life Balance Maßnahmen, Karrieremodellen, Weiterbildungsmöglichkeiten oder zur Arbeitszeitgestaltung nur eine lieblose Linksammlung zu den ausgeschriebenen Vakanzen. Ganz ehrlich: Eine gute Candidate Experience sieht anders aus.

 

#4 Bewerbung: Zu lang, zu kompliziert

Doch das Drama mit der schlechten Candidate Experience geht noch weiter. Statt sich wie im Eingangsbeispiel per One-Click-Bewerbung schnell und einfach bewerben zu können, sehen sich Talente nach dem Klick auf den Bewerben-Button oft schwer ausfüllbaren Bewerbungsformularen mit Freitextfeldern gegenüber.

Für Arbeitgeber ist das gar nicht gut. Laut der Studie “Paradigmenwechsel in der HR-Welt” von softgarden, einem Hersteller für Bewerbermanagementsysteme aus Berlin, haben rund 40 Prozent der Bewerber schon einmal eine Bewerbung abgebrochen. Zum Beispiel, weil sie das Bewerbungsverfahren des Arbeitgebers als zu umständlich empfanden.

Die Krux: So etwas spricht sich im Social-Media-Zeitalter schnell herum und schreckt auch andere Kandidaten ab. Besonders die jüngere Generation reagiert empfindlich auf eine schlechte Candidate Experience.

In der Studie Recruiting Trends heißt es dazu

Schlechte Erfahrungen von Freunden im Bewerbungsprozess sind für zwei Drittel der Kandidaten der Generation Z Grund genug, sich bei diesem Unternehmen nicht mehr zu bewerben. Im Vergleich der Generationen zeigt sich, dass sich signifikant mehr Kandidaten der Generation Z davon beeinflussen lassen, als Kandidaten der anderen Generationen, bspw. der Generation Y.

#5 Unfreundlichkeit verzeihen Bewerber nicht

Was Bewerber außerdem nicht verzeihen, sind Unhöflichkeiten im Bewerbungsprozess. Auch hier gibt es seitens der Unternehmen einige Versäumnisse zu nennen:

  • Eine ausbleibende Rückmeldung, dass die Bewerbung eingegangen ist
  • Fehlende Statusupdates im Laufe des Bewerbungsprozesses
  • Ein unfreundlicher Empfang beim Vorstellungsgespräch und Unpünktlichkeit seitens des Recruiters

 

Interview mit Experte Wolfgang Brickwedde zum Thema Candidate Experience

das Foto zeigt Wolfgang brickewedde

Einer, der das Thema Candidate Experience seit Jahren auf dem Schirm hat, ist Wolfgang Brickwedde. Der Director des Institute for Competitive Recruiting (ICR)  verriet uns im Interview wie Unternehmen Ihre Candidate Experience steigern können.

Herr Brickwedde, was können Unternehmen tun für eine optimale Candidate Experience?
Ein guter erster Schritt wäre es, wenn Personaler sich nur einmal bei sich selber bewerben würden. Sie würden erkennen, dass auf ihrer Unternehmens-Homepage der Karrierebereich nicht oder nur schwer zu finden ist, dass die ausgeschriebenen Stellenanzeigen nicht gerade die spannendsten sind und dass das Bewerbungsformular viel zu lang ist und dann auch noch zweimal aus technischen Gründen abbricht – dann bekommt das Thema Candidate Experience ganz schnell eine höhere Bedeutung.

Wo muss zu allererst Hand angelegt werden?
Der zentrale Touchpoint ist die Karrierewebsite – das finden die Bewerber in der Jobsuchphase am wichtigsten. Aber wie kommt man da hin – mit einem Karrierebutton auf der ersten Seite? Wenn der Link zur Karrieresite nicht auf der Homepage steht oder nur klein neben dem Impressum oder wenn man mehrere Klicks braucht, bis man zu Stellenangeboten kommt, verliert man bei jedem Klick die Nutzer.

Was legen Sie Arbeitgebern außerdem ans Herz?
Erwartungsmanagement gehört auch dazu, das heißt, dass erklärt wird, was erwartet mich eigentlich als Bewerber und was sind die einzelnen Schritte im Bewerbungsprozess. Wichtig ist zudem das Thema Verbindlichkeit. Wenn man sagt: „Ich melde mich bis Freitag bei Ihnen“, sollte man das auch einhalten. Das ist gelebte Wertschätzung.

 

Wie HR Software zu einer optimalen Candidate Experience verhilft

Mangelndes Tempo, eine nicht mobil optimierte Bewerbung, eine schlechte Karriereseite – für all diese Herausforderungen bietet eine moderne HR Software passgenaue Lösungen. In den Tools ist zum Beispiel eine fertige Karriereseite hinterlegt, die via Schnittstelle schnell und einfach an die bestehende Homepage eines Unternehmens angebunden werden kann.

eBook: HR-Software
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Wann Sie eine Software implementieren sollten

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Auch Templates für Stellenanzeigen sind hinterlegt – fix und fertig und wie die Karrierehomepage im responsiven Design und individuell auf die hauseigene CI anpassbar. Es besteht außerdem jeweils die Möglichkeit, Bilder oder Videos einzubetten. Diese können auf der Karriereseite oder in verschiedenen Jobbörsen geschaltet werden. Ebenso ermöglichen Bewerbermanagementsysteme Kandidaten sehr unkomplizierte Bewerbungsprozesse. Sei es über die One-Click-Bewerbung oder per Chatbot. Im letzten Fall fragt der Bot über einDialogfeld die wichtigsten Informationen zum Lebenslauf eines Kandidaten ab und übermittelt diese an den zuständigen Recruiter.

 

Mobile Bewerbung: Kein Hexenwerk!

Vor allem die beiden letzten Bewerbungsformate lassen sich schnell, einfach und vor allem mobil erledigen. Sie bilden eine gute Ergänzung zur Formularbewerbung, die ebenfalls eingebunden werden kann. Diese ausführlichere Variante kann Talenten angeboten werden, die am Laptop sitzen.

Auch auf die Art und Weise, wie das Unternehmen mit dem Kandidaten kommuniziert, kann ein Bewerbermanagementsystem erheblich verbessern. Das ist wichtig. Denn gerade die begehrten jungen Talente der Generationen Y und Z sind “always on“ und kommunizieren rund um die Uhr. Mit einer HR Software kann die Kommunikation mit dem einzelnen Talent sehr zielgerichtet gesteuert werden: Dazu gibt es zum Beispiel individuell anpassbare E-Mail-Vorlagen für verschiedenste Kommunikationsanlässe. Auf gleichem Weg kann jedes Talent regelmäßig mit Statusupdates versorgt werden. Manche Bewerbermanagementsysteme bieten auch die Integration eines Messengers in die Kommunikation mit Talenten an. So können offene Fragen schnell geklärt werden und das Talent hat einen direkten Draht zum Recruiter.

Frau trägt weißes Top vor Frau trägt blaues langärmeliges Top

Schnelle Vorauswahl der Bewerber

Auch das Tempo im Recruiting lässt sich zugunsten einer positiven Candidate Experience beeinflussen. “Das mobile Zeitalter bringt eine gewisse Ungeduld mit sich. Wer innerhalb von Stunden eine frische Lebensmittellieferung bekommt, der wartet nur ungern zwei Wochen auf eine Rückmeldung zu seiner Bewerbung“, sagt Professor Tim Weitzel von der Universität Bamberg, Leiter der Studie Recuiting Trends.

Dank Matching-Algorithmen geht mit einerHR Software schon bei der Vorauswahl von Bewerbern vieles schneller. Das Tool gleicht einfach die für eine Stelle gesuchten Skills gegen die vorhandenen Talente eines Bewerbers ab und gibt eine Empfehlung ab, wie gut ein Bewerber zu einer ausgeschriebenen Stelle passt. Alles vollautomatisch. Das Ergebnis lässt sich dann per Knopfdruck mit den Fachbereichen teilen.

Die Verantwortlichen bewerten nun im System jeden Bewerber. Das erspart Meetings und Absprachen und ermöglicht eine schnelle Rückmeldung beim Kandidaten. Ist das optimale Talent gefunden, genügt das Setzen eines Häkchens im System und die Einladung zum Vorstellungsgespräch geht raus, während den restlichen Bewerbern eine Absage zugeht. Ergo: Bewerbermanagement gut, Candidate Experience gut. An einer Stellschraube lässt sich mit einem  Bewerbermanagementsystem allerdings nicht drehen. Das mit der Etikette gegenüber dem Kandidaten im Vorstellungsgespräch müssen Recruiter dann doch selbst auf die Reihe kriegen.

Sie wollen die Candidate Experience Ihrer Kandidaten verbessern und suchen nach einem geeigneten Bewerbermanagementsystem? Unser unabhängiges Expertenteam berät Sie sehr gerne. Nehmen Sie jederzeit Kontakt auf.

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